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„Ein Museum mit einem besonderen Bildungsauftrag…“

Die Leiterin des Freilichtmuseums in Schwerin-Mueß, Gesine Kröhnert, über Vergangenes und Kommendes in ihrer Einrichtung

Im Sommer ist regelmäßig die Fritz-Reuter-Bühne zu Gast im Freilichtmuseum in Schwerin-Mueß. Foto: M.M.

Das Jahr ist im Endspurt. Auch für das Freilichtmuseum für Volkskunde Schwerin-Mueß. Die Einrichtung feierte 2018 zwar keinen runden Geburtstag, wurde aber reife 48 Jahre. Dabei war das diesjährige Jahr ebenfalls wieder ein sehr ereignisreiches für das Museum.

 

Nachgefragt bei Museumsleiterin Gesine Kröhnert

 

Gesine Kröhnert über die vergangenen Museums-Monate und die zahlreichen Veranstaltungen 2018, den Zuspruch zum Freilichtmuseum und das Programm zum Jahresende 2018

 

„Ein Museum mit einem besonderen Bildungsauftrag…“

 

Frage: Frau Kröhnert, nur noch zweieinhalb Monate – dann ist das Jahr 2018 wieder Geschichte. Welche Highlights gab es im Freilichtmuseum in Mueß 2018? Zurzeit ist  ja bei Ihnen noch eine interessante Sonderausstellung zu sehen…

Gesine Kröhnert: Alljährlich sind wir als volkskundliches Museum auch ein großer Anziehungspunkt für Natur- und Gartenfreunde. Nicht nur der Pflanzenmarkt am letzten Sonntag im April lockte Tausende Hobbygärtner und Pflanzenhändler der Region. Eine große Anzahl Besucher interessieren sich über die Saison von Ostern bis Ende Oktober für die mehr als 20 Bienenvölker auf unseren Streuobstwiesen und den historischen Dorfschullehrer- und Kräutergärten.

Die derzeit laufende Sonderausstellung „Brennpunkt Herd“ weckt bei den Museumsbesuchern viele Erinnerungen an die Küchensituation der Großeltern. In puncto Herd war gerade das 19. Jahrhundert eine spannende Epoche mit erstaunlichen Innovationen. Kochte man zunächst noch traditionell auf offenem Feuer in der so genannten „schwarzen Küche“, kamen nach 1860 bereits in Serien hergestellte, geschlossene „Sparherde“ und „Kochmaschinen“ auf.

Statt Holz und Torf konnte nun auch Steinkohle verwendet werden. Brennstoffe ließen sich wesentlich sparsamer einsetzen. Rund 100 Jahre später verschwand das Anfeuern ganz aus den Küchen, und es wurde auf Gas- und Elektroherden gekocht. Mit den Neuheiten ringsum die Brennstellen und Herde im Haus veränderten sich die Ernährungsweise, das familiäre Leben und das Bewusstsein für Energieeinsparung. Viele Besucher finden die Ausstellung spannend und dokumentieren dies in unserem Gästebuch.

Zum Kindertag und an jedem Mittwoch in den Sommerferien bereiten wir den Kindern abwechslungsreiche Entdeckerangebote zum Mitmachen – natürlich immer mit Bezug zu historischen und Naturthemen. Für dieses hohe Niveau engagieren wir regelmäßig Künstler und Handwerker aus der Region. Dazu spielt Margrit Wischnewski mit ihrem Figurentheater sehr erfolgreich selbst bearbeitete und inszenierte Stücke aus dem Grimmschen Märchenschatz. An einem dieser Ferienmittwochs hatten wir in diesem Sommer innerhalb der drei Stunden Ferienprogramm ca. 400 Besucher auf dem Museumsgelände.

Fast jede Vorstellung der Fritz-Reuter-Bühne in den Sommermonaten war ausverkauft. Mit dem Volksschwank „Tau Hülp, ick sall heuraden“ landete die Niederdeutsche Bühne wieder einmal einen Erfolgshit, der vor allem beim älteren Publikum großen Anklang fand.

Mit vielen kleinen Konzerten, Tanzabenden und einem großen musikalischen Highlight locken wir auch immer wieder Freunde der traditionellen Musik ins Freilichtmuseum. Das Windros-Festival im September überzeugte über 2000 Besucher vor allem durch hochkarätige Musikkünstler aus allen Teilen der Welt.

Frage: Wie war der Zuspruch allgemein in den vergangenen knapp zehn Monaten?

Gesine Kröhnert: Mit den vielgestaltigen und qualitativ hochwertigen Veranstaltungsangeboten, die eine stabile bis steigenden Besucherzahl aufweisen, sind wir nach wie vor ein Museum mit einem besonderen Bildungsauftrag. Wir versuchen für alle Generationen das Interesse für Regionalgeschichte und für die Besonderheiten unseres Landes zu wecken.

Schulen und Kindergärten nehmen unsere pädagogischen Angebote alljährlich sehr gern an. Im Allgemeinen stagniert jedoch die Zahl derer, die rein als Besucher des Museums für Volkskunde kommen. Hier zeigt sich, dass allein nur Erhaltungsmaßnahmen gepaart mit wenig Spielraum für neue innovative Ausstellungsmöglichkeiten nicht ausreichen, um Besucherzahlen kräftig ansteigen zu lassen. Wir setzen große Hoffnungen in die neue konzeptionelle Ausrichtung des Museum, die mehr auf eine touristische Erschließung und modernisierte Infrastruktur des Areals setzt.

Frage: Lohnt sich ein Besuch im Freilichtmuseum auch im November bzw. im Dezember? Gerade zu den Feiertagen im Dezember gibt es ja immer traditionelle Angebote…

Gesine Kröhnert: Zum 4. Adventswochenende können wir wieder den sehr beliebten traditionsnahen Kunsthandwerkermarkt „wintersonnenWERKE“ auf dem Gelände des Freilichtmuseums präsentieren. Besucher können dann z.B. auch wieder mit Historiendarstellern ins Gespräch kommen, die inzwischen in regelmäßigen Abständen eigene Veranstaltungsreihen zum Thema Dorfleben um das Jahr 1900 in Museumsgebäuden betreiben.

Der Klöndör-Verein backt Plätzchen und bereitet Glühwein nach uralten Rezepten. Und überhaupt zeigt sich der Adventsmarkt zur Wintersonnenwende mit reichlich Budenzauber wieder sehr heimelig, märchenhaft, sinnlich, musikalisch, romantisch und lädt vor allem zu einem familiären Klön-Schnack vorm Fest ein.

Letzte Frage: Welche Höhepunkte sind für 2019 in Planung?

Gesine Kröhnert: Voraussichtlich eröffnen wir im nächsten Jahr deshalb erst im Mai, da die Bauarbeiten zur B 321 auch das Mueßer Freilichtmuseum flankieren. Der traditionelle Mueßer Pflanzenmarkt wird ausnahmsweise mal in das Stadtzentrum ziehen und die Eröffnung des Kultur- und Gartensommers bereichern.

Ausgehend vom Zentrum für Traditionelle Musik ist im Juni 2019 ist ein großes Fest der regionalen Traditionen geplant. Am 23. Juni 2019 sind gehört das Mueßer Freilichtmuseum mit seiner Uferkulisse wieder zum Standortteam des Fahrradkonzerts der Festspiele MV. Für die Wochenenden im Juni und Juli bereitet die Fritz-Reuter-Bühne das Stück „Up’n Heuboehn“ vor.

Auch das nächste Windros-Festival vom 6. bis 8. September 2019 ist in Vorbereitung. Es wird sich thematisch überwiegend an amerikanischen Musiktraditionen und nordamerikanischem Folk orientieren. Ich denke, wir können unseren Besuchern wieder Traditionelles, Neues und Abwechslungsreiches bieten.

Vielen Dank und weiterhin bestes Engagement für das Freilichtmuseum in Schwerin-Mueß!

M.Michels

 

 


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