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Es raschelt im Medienwald

Wie unabhängig und aufrichtig sind die Massen-Medien?

„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache – auch nicht mit einer guten Sache. Dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazu gehört.“, so Journalisten-Legende Hanns-Joachim Friedrichs.

Wie ist es aber im Sommer 2017 um die mediale Kompetenz in Mecklenburg-Vorpommern und in Deutschland bestellt?!

Mediales Trauerspiel

Es ist ein einziges Trauerspiel. Es existieren Nachrichtenmagazine, die sich „im Zweifel“ gern „links“ oder „rechts“ verorten. Kommentatorinnen und Kommentatoren sondern Statements ab, bei denen man gleich erkennt, welches Parteibuch sie gerade spazieren führen bzw. welche politische Gesinnung sie propagieren. Objektivität sieht anders aus. Sachkunde ebenfalls. Von der gebotenen Distanz zum Kommentierten ganz zu schweigen.

Stereotype werden bedient: Es riecht nach Bückling

Im deutschen Medienwald ist es mittlerweile schick, gegen die frei und demokratisch gewählte Trump-Administration in den USA, die ebenso frei gewählten Regierungen in Polen bzw. in Ungarn, gegen Putin und gegen den BREXIT zu wettern.

Es ist zudem hierzulande voll „im Trend“, unsere Frau Bundeskanzlerin und unsere Frau Ministerpräsidentin gut zu finden. Liest man in den Tageszeitungen des deutschen Nordostens, alle mit dubioser Vergangenheit, dazu in den von Anzeigen extrem abhängigen Monats- und Wochen-Publikationen, gleichen sich diese – im Hinblick auf politische Statements – immer mehr an. Anstatt kritisch zu hinterfragen, wird gelobhudelt, was das Speichellecken so her gibt. Inzwischen riecht es wieder in Deutschland, speziell in M-V, sehr nach Bückling.

Und bekanntlich „stinkt“ – das gilt erst recht für den Medienbereich – „der Fisch vom Kopfe her“!

Zu dick aufgetragen?!

Nun mag der eine oder andere meinen: Das stimmt so alles nicht. Leider, leider – doch! Erstes Semester, Journalistik: Qualitative und quantitative Inhaltsanalyse. Schaut auf die Themen, über die berichtet wird. Schaut Euch die Kommentierungen dazu an. Seht Euch auch die Fakten, die nun gerade nicht falsch sein müssen, aber nur einen Teil der Wirklichkeit dokumentieren, genauer an. Ihr werdet staunen.

Schöne Statistiken

Ein Beispiel dafür ist der Umgang mit den Statistiken zur Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt.

Ständig wird den Menschen hierzulande – anhand der Statistiken der Bundesagentur für Arbeit, präsentiert vom Wirtschaftsministerium – suggeriert, wie robust der Arbeitsmarkt sei und dass die Zahl der Arbeitslosen fast kontinuierlich zurück gehe.

Es ist schon erstaunlich, dass vor dem Hintergrund der zunehmenden Migration und den Herausforderungen, die sich mit dieser – auch für den hiesigen Arbeitsmarkt – ergeben, noch immer derartige Zahlen genannt werden.

Denn: Noch immer werden die Empfänger von SGB II-Leistungen, berufliche Rehabilitanden, Ein-Euro-Jobber, geringfügig Beschäftigte, auf dem zweiten Arbeitsmarkt Tätige, Vorruheständler im arbeitsfähigen Alter und in Umschulungen „Geparkte“ in der offiziellen Arbeitsmarkt-Statistik nicht berücksichtigt. Auch der Erwerbslosenbeirat M-V monierte das  zu Recht.

Zudem wird weiterhin nicht angegeben, dass viele, die einen sozialversicherungspflichtigen Job haben, dennoch ihre Gehälter über das Jobcenter „aufstocken“ lassen müssen, also von ihrem Arbeitsentgelt nicht leben können. Auch entsprechende Infos über die nach wie vor geringen Gehälter in M-V – gesamt betrachtet – fehlen. Einige der heutigen sozialversicherungspflichtigen Jobs wären vor der Schröder- und Merkel-Ära noch als „sittenwidrig“ eingestuft worden – allein wegen der geringen Stundenzahl und des ebenso geringen Lohnes.

Weitere Zahlen, die sich gut nachprüfen lassen, geben nicht gerade Anlass zur Freude. Aber diese werden „massenmedial“ nur relativiert, an den Rand gedrängt und nicht sonderlich ausgiebig behandelt…

Nach Mitteilung des Statistischen Amtes vom 4.August 2017 erhöhte sich in Mecklenburg-Vorpommern die Quadratmetermiete (ohne warme Nebenkosten) im Zeitraum 2010 bis 2014 von durchschnittlich 5,77 EUR auf 6,23 EUR. Die durchschnittliche Mietbelastungsquote stieg im gleichen Zeitraum von 21,2 Prozent (2010) auf 25,9 Prozent (2014).

Einen Tag zuvor, am 3.August 2017, informierte besagtes Statistisches Amt, dass zu Beginn des 2. Halbjahres die Verbraucherpreise im Vergleich zum Juli 2016 um durchschnittlich 2,0 Prozent stiegen. Der Gesamtindex habe sich damit zum Basisjahr 2010 auf 110,6 Prozent erh̦ht. Damit sei Рso das Statistische Amt Рdie Lebenshaltung am Beispiel des Warenkorbes im Juli um gut ein Zehntel teurer als vor sieben Jahren.

Das Statistische Landesamt M-V gab im Mai 2017 zudem bekannt, dass das durchschnittliche Einkommen pro Person in M-V bei rund 17700 Euro jährlich liege (Erfassungszeitraum 2015) – damit das geringste Einkommen in ganz Deutschland. Des Weiteren nimmt die Altersarmut allmählich auch im Nordosten immer mehr zu.

Das alles geschieht im Hochsteuer-, Hochgebühren- und Hochabgaben-Land Deutschland, das in der Summe aus diesen drei Faktoren (Steuern, Gebühren, Abgaben) eine „Top-Nation“ in der Welt ist. Und zu Deutschland gehört eben auch M-V.

Kampf mit Begriffen

Ähnlich ist es mit den Begriffen „Flüchtling“, „demografischer Wandel“ und „Fachkräftemangel“. Wer ein „Flüchtling“ ist, steht in der Genfer Flüchtlingskonvention der Vereinten Nationen. Wer politisch und religiös in den jeweiligen Ländern verfolgt wird, dem wird gern in Deutschland geholfen. Das Schicksal der verfolgten Christen durch den IS dürfte wohl niemanden kalt lassen. Aber nicht alle Migranten sind eben Flüchtlinge!

Ähnlich verhält es sich mit dem „demografischen Wandel“. Inzwischen sind wieder mehr Geburten in ganz Deutschland feststellbar. Es gibt nun einmal immer wieder Phasen, in denen mehr Menschen sterben als geboren werden. Nicht erst seit 30 Jahren! Kein Grund zur Panik. Auch mit weniger Menschen kann aufgrund des technisch-digitalen Fortschritts ein „gewisser“ Lebensstandard gehalten werden. Dazu bedarf es eben keiner exorbitanten Einwanderung!

Am besten ist die Mär vom allgemeinen  „Fachkräftemangel“. Den gibt es nur partiell – im handwerklichen Bereich, im digital-technischen Bereich und im ingenieurwissenschaftlichen Bereich. Hier hat man leider in Deutschland gewisse Entwicklungen, auch bildungspolitisch, verschlafen. Das alles ließe sich gut nachprüfen!

Wo bleibt die kritische Distanz?

Wo bleibt aber bei unseren Massen-Medien die Aufrichtigkeit im Umgang mit Statistiken zum „positiven Trend auf dem Arbeitsmarkt“, zur „positiven wirtschaftlichen Entwicklung“, zur „Migrationspolitik“, zum „Fachkräftemangel“ oder zum angeblichen „Wohlstand“ in Deutschland, die nur von politischer Seite kommentiert werden und oft, nicht immer, einfach von medialer Seite unkritisch übernommen werden.

Kritisch bleiben oder werden

Uns geht es gut? Einigen wohl zu gut! Sonst würden diese – so kurz vor der Bundestagswahl am 24.September 2017 – wohl nicht allen Ernstes annehmen, dass alle „treudoof“ diese Verlautbarungen glauben…

Wie meinte jedoch einst ein kommunales Stadtoberhaupt nach der Wende, das – zu Recht – kritisch hinterfragt wurde: „Diese ewige Kritik. Wir müssen erst mal das Bildungsniveau senken!“.

Das hat man allerdings geschafft, aber es gibt Zeichen der Hoffnung…

Und nicht vergessen: Kritisch bleiben, hinterfragen, selbst sachlich recherchieren. Glaubt nicht alles, was in der Zeitung steht und im Radio bzw. TV zu hören oder zu sehen ist.

Wie meinte schon der deutsche Aphoristiker Werner Braun treffend: „Staatliche Presse und Fernsehen unterstehen dem Staat, private deren Besitzern. Beide sind also abhängig. Kann man von abhängigen Journalisten unabhängige Meinungen erwarten?“

Von einem guten, couragierten Journalisten – ja… Da wären wir wieder bei Hajo Friedrichs!

Marko Michels

Foto (Michels): „Der Fisch stinkt vom Kopfe her!“ Aber nicht der mecklenburgische Hering…


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