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Hat Schwerin eigentlich wirtschaftliche Perspektiven?!

Schwerin, M-V und die ökonomische Entwicklung

Die Welt gerät aus den Fugen. Putin in Russland, Trump in Amerika, Merkel in Deutschland, drohende Handelskriege, immer noch hoch verschuldete EU-Staaten, Europa in der Krise, mehr als 40 Kriege und Konflikte weltweit, einstige Volksparteien erodieren. Nur eines ist sicher – dass nichts mehr sicher ist.

Deutschlands Exportwirtschaft profitiert vom (noch) schwachen EURO, der deutsche Mittelstand ist insgesamt (noch) sehr robust, aber die Digitalisierung wurde in Deutschland ziemlich verschlafen. Es gibt einen punktuellen und partiellen Fachkräftemangel in Bereichen wie IT, Handwerk, Pflege oder Ingenieurwesen, was aber damit zusammenhängt, dass das deutsche Bildungssystem inhaltlich an der Zukunft vorbei unterrichtet. Von Ausnahmen abgesehen…

Wie verlief und verläuft jedoch die wirtschaftliche Entwicklung in der Region?!

Nachgefragt bei Andreas Kraus, Leiter Medien und Kommunikation bei der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin

Andreas Kraus über die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung in Schwerin bzw. in Westmecklenburg, den „Fachkräftemangel“, die Bedeutung der Digitalisierung für die Arbeitswelt, den digitalen Stand in M-V 2018, den Zukunftsbranchen in M-V und  den Stellenwert der IHK

„Niemand wird sich dem Prozeß der Digitalisierung verschließen können…“

Frage: Wie verläuft aktuell, im Jahr 28 der deutschen Einheit, die wirtschaftliche Entwicklung in Schwerin und Umgebung?

Fast 400 Auszubildende haben sich in den Monaten November 2017 bis Februar 2018 ihren Prüfungen gestellt. Nach einer über 3 ½-jährigen Ausbildung wurden nun die Besten der gewerblich-technischen Ausbildungsberufe der Metall- und Elektrotechnik zur feierlichen Zeugnisübergabe in die IHK zu Schwerin eingeladen. In einem würdigen Rahmen überreichten am 19. März 2018 Birgit Hesse, Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur, und Hans Thon, Präsident der IHK zu Schwerin die IHK-Zeugnisse. Foto: IHK/Cordes

Andreas Kraus: Auf der Grundlage der Konjunkturumfragen unter den knapp 25.000 IHK-Mitgliedsunternehmen in Westmecklenburg analysiert die IHK zu Schwerin drei Mal jährlich sehr genau die wirtschaftliche Situation. Demnach registrieren wir seit mehreren Monaten eine stabile Hochkonjunkturphase.

Insbesondere neue Investitionen, wie zum Beispiel ZIM Flugsitz, Nestlé, Schurpack, De Laval, Euroimmun oder Erweiterungen wie unter anderem Dr. Oettker, Mona Soja, Arla sind erfreulich und tragen zu dieser Entwicklung bei. Aber auch bei zahlreichen kleinen und mittelständischen Unternehmen wird investiert und erweitert. Die maritime Wirtschaft und deren Zulieferer wird gleichzeitig seit der Übernahme der Werftenstandorte in Wismar, Rostock und Stralsund durch die Genting Group gestärkt. MV WERFTEN ist damit zu einem Konjunkturkatalysator geworden.

Frage: Einerseits stimmen „die Zahlen“ zum Arbeitsmarkt und zur wirtschaftlichen Entwicklung, andererseits wird ein „Fachkräftemangel“ moniert. Hoch qualifizierte Arbeitskräfte auf Jobsuche gibt es auch – allerdings im weniger nachgefragten geisteswissenschaftlichen Bereich. Was wird nun wirklich in der Region gesucht? Welche Berufsgruppen bieten hier Perspektiven?

Andreas Kraus: Generell werden Fachkräfte in allen Bereichen gesucht. Besonders große Nachfrage besteht bei hochqualifizierten und spezialisierten Fachkräften wie zum Beispiel im IT-Bereich oder bei Ingenieuren und Schweißern. Aber auch Kraftfahrer, Kräfte im Hotel- und Gaststättenwesen, für Pflegeberufe, bei Wachdiensten oder Gebäudereinigern und Lageristen sind stark nachgefragt.

Reserven zur Deckung dieser Bedarfe sieht die Wirtschaft neben Neueinstellungen darin, Mitarbeiter zu qualifizieren, selbst auszubilden oder Pendler und ausländische Fachkräfte für sich zu gewinnen.

Frage: In puncto Digitalisierung ist Deutschland nicht „auf der Höhe der Zeit“. Wie sieht es da bei den Firmen in Mecklenburg-Schwerin aus?

Andreas Kraus: Bei diesem Thema muss man zwei unterschiedliche Dinge berücksichtigen: Den Breitbandausbau als eine wesentliche Grundlage zur Umsetzung digitaler Entwicklungen und die Digitalisierung von Produktionsprozessen selbst. Trotz großer Anstrengungen wird es noch eine ganze Zeit dauern, MV flächendeckend mit 50 MBit zu versorgen.

Dies ist ein richtiger Schritt, der jedoch bereits mittelfristig nicht ausreichen wird, um den Ansprüchen der Wirtschaft aber auch denen des Bildungssystems und des Privatbereiches zu genügen. Hier sind deutlich höhere Investitionen für leistungsfähige Glasfasernetze nötig. Insgesamt sind für die kommenden Jahre knapp 1,3 Mrd. Euro, davon 860 Mio. vom Bund, für den Breitbandausbau in MV vorgesehen.

Mit einer Digitalisierung sollen beispielsweise Produktionsschritte digital verknüpft werden. Es gibt bereits hervorragende Beispiele von Unternehmen in Westmecklenburg, zum Beispiel SKM in Schwerin, Egger in Wismar, Autoteile M&M GmbH in Ludwigslust oder Getriebetechnik Nord in Gadebusch, die auf diesem Gebiet sehr weit vorangeschritten sind.

Dass wir am Beginn eines solchen umfassenden und die Gesellschaft verändernden Prozesses stehen, ist deutlich. Hier gibt es viele Reserven, die es zu erschließen gilt.

Die Digitalisierung wird als nächste industrielle Revolution bezeichnet, die Auswirkungen auf alle Bereiche unseres gesellschaftlichen Lebens haben wird. Niemand wird sich diesem Prozess verschließen können und ist gut beraten, sich den neuen Anforderungen rechtzeitig zu stellen.

Frage: MV sei Tourismus-, Sport- und Gesundheitsland, heißt es in den politischen Reden. In welchen Bereichen hat MV aber wirklich Zukunft?

Andreas Kraus: Unbestritten ist MV ein interessantes Land in vielerlei Hinsicht. Wir haben unvergleichlich schöne Küsten, sind reich an Seen und Wäldern, haben einen hohen Freizeitwert und sind mittlerweile auch infrastrukturell gut aufgestellt. Traditionell spielen deshalb der Tourismus und auch die Gesundheitswirtschaft eine wichtige Rolle, die wir weiter ausbauen sollten.

Die Ernährungswirtschaft ist daneben auch wegen der historisch stark vertretenen Landwirtschaft deutlich gewachsen und beschäftigt mit Abstand die meisten Menschen in MV. In der Hansestadt Wismar befindet sich übrigens das größte Holzcluster Europas!

Darüber hinaus verzeichnen wir gute Ansätze bei Unternehmen der Medizintechnik, der Luft- und Raumfahrtbranche und des Fahrzeugbaus. Positiv ist auch die momentane Situation im Bereich der Maritimen Wirtschaft. Es ist davon auszugehen, dass das Engagement der MV WERFTEN sich auch im Bereich der Zulieferindustrie, der Dienstleister und Logistiker auswirken wird.

Frage: Ist eine IHK eigentlich noch zeitgemäß? Warum wird diese, auch in Schwerin, aus Ihrer Sicht noch gebraucht?

Andreas Kraus: Die Antwort hat vor einigen Wochen unter anderem auch das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichtes im Sommer 2017 gegeben. Demnach entspricht die gesetzlich geregelte Mitgliedschaft in einer IHK und die damit verbundene Beitragspflicht unserer Verfassung. Die Industrie- und Handelskammern erfüllen nämlich legitime öffentliche Aufgaben, an deren Erfüllung ein gesteigertes Interesse der Gemeinschaft besteht.

Im Auftrag und an Stelle des Staates übernehmen die IHKs Aufgaben, die auf diese Weise wesentlich kostengünstiger für die Unternehmen erledigt werden können. Insbesondere die Organsisation der dualen Berufsausbildung, um die uns wegen der hohen Qualität der Fachkräfte in Deutschland viele Länder beneiden, wird bis hin zur Abnahme der Prüfungen durch die IHKs mit der Unterstützung zahlreicher ehrenamtlich arbeitender Unternehmensvertreter erledigt. Daneben gibt es zahlreiche andere staatliche Aufgaben, die ständig erweitert werden.

So führen die IHKs seit jüngster Zeit ein Versicherungsvermittlerregister, in das nach Prüfung bestimmter Kriterien durch die IHKs alle Versicherungsvermittler eingetragen werden müssen. IHKs sind Interessenvertreter der Wirtschaft aber auch Dienstleister für Unternehmen und Staat.

Gleichzeitig fungieren sie als Ratgeber für Politik und Verwaltung und sind Selbstorganisation der regionalen Wirtschaft. Gerade in einer verstärkten Globalisierung der Volkswirtschaft ist eine regionale Selbstverwaltung dringend geboten und daher absolut zeitgemäß.

Vielen Dank und weiterhin bestes Schaffen!

M.Michels


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