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Ein Schweriner ganz oben …

Runder Geburtstag für den ersten Leichtathletik-Olympiasieger aus Schwerin

Gerd Wessig. M.M.

2,36 Meter. Das war die Siegerhöhe im Hochsprung bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau. Damals Weltrekord. Und noch heute eine respektable Höhe. Der Sieg ging an einen Lübzer. An einen Lübzer in Diensten des SC Traktor Schwerin. Gerd Wessig, der sportive „Uhle-Koch“, machte sich mit seinem Erfolg in Moskau unsterblich. Mischa, das damalige Olympia-Maskottchen, hätte am liebsten wohl Kasatschok getanzt.

Doch, wie war das damals in Moskau anno 1980.
Schwerin-News führte mit dem Olympiasieger, der am 16.Juli 50 „Lenze“ feiert, bereits am 25.Februar 2009 ein Interview (auf www.schwerin-news.de nachzulesen !)

Auf die Frage zum Ablauf, zur Konkurrenz und zu den Gefühlen hinsichtlich des damaligen Wettkampfes sagte Gerd Wessig gegenüber Schwerin-News:

„ … Tja, die ersten Gratulanten, noch im Stadion, waren die Teamkollegen Henry Lauterbach und Jörg Freimuth. Auch der Schweizer Roland Dahlhäuser beglückwünschte mich unmittelbar nach dem Erfolg. Nur Jacek Wszola (1976 Hochsprung-Olympiasieger. – Anm. M.M.) ließ sich etwas mehr Zeit: Er war der Letzte, der mir gratulierte. Aber mittlerweile sind wir gute Kumpel ! Bei ihm ging es wohl schon damals um viel Geld, bei mir „nur“ um „Volk und Vaterland“. Allerdings gab es damals noch eine größere Identifikation mit dem Team, mit dem Erfolg als es heute oftmals üblich ist.

Zum olympischen Wettkampf 1980: Ich hatte mich Stück für Stück in den Wettkampf hineingetastet, wollte unter die besten Sechs. Das war auch die offizielle Zielvorgabe und diesen leistungsmäßigen Druck hatte man dann auch schon. Das Ziel stand, wer darunter blieb, hatte versagt. Irgendwelche Ausflüchte wurden nicht akzeptiert, nach der Devise in etwa, dass die Zuschauer so laut, die Stimmung nicht gut und die Bedingung nicht optimal seien, waren verpönt. Wer die Ziele nicht erreichte, musste sich auch wieder hinten anstellen. Auch große Namen galten nichts. Das mußten seinerzeit Rosemarie Ackermann (Hochsprung), Wolfgang Schmidt (Diskuswerfen) oder Udo Beyer (Kugelstoßen) erfahren.

Aber ich blieb in der Zielvorgabe. Als feststand, dass ich sicher auf Rang sechs lag, war ich erst einmal erleichtert. 2,24 Meter, die Konkurrenz war nicht weg und die Höhe war für mich nur eine Durchgangsleistung, für mich keine Hürde. Und ich merkte Höhe um Höhe, eine Medaille könnte durchaus drin sein, zumal die Mannschaftskameraden Henry Lauterbach und Jörg Freimuth noch immer dabei waren.

Und ich dachte mir: Die hatten doch die ganze Saison gegen dich nichts zu bestellen gehabt und jetzt wollen sie dich schlagen ?! Das geht schon einmal gar nicht ! Dann war ich schon unter den besten Vier und auch Jörg Freimuth war auch noch dabei. Ich wusste nun, eine Medaille ist in Reichweite. Dann plötzlich, bei der Höhe von 2,33 Meter, als die anderen rissen, war ich nicht mehr Dritter, sondern Erster – und ich schaffte sogar noch die 2,36 Meter. In diesem Moment war ich wohl der glücklichste Mensch auf der Welt !“

1960 hatte mit dem Speerwerfer Walter Krüger vom SC Traktor Schwerin, der bei den Olympischen Spielen in Rom Platz zwei belegte, die erste Olympiamedaille für die heutige Landeshauptstadt M-V`s gewonnen. 1976 in Montreal gab es die ersten olympischen Goldmedaillen für Schwerin – dank der Schwimmerin Andrea Pollack und dem Ruderer Michael Wolfgramm, jeweils in Schwerin geboren, und dank dem Boxer Jochen Bachfeld, der für den SC Traktor Schwerin startete. Jürgen Schult konnte dann 1988 im Diskuswerfen das zweite Olympia-Gold in der Leichtathletik für Schwerin holen. Die letzte Olympiamedaille für Schwerin gewann der Radsportler Stefan Nimke 2008 in Peking im Teamsprint.

Der Sieg von Gerd Wessig, der sich noch heute engagiert für die Schweriner Leichtathletik tätig ist, blieb jedoch besonders intensiv in Erinnerung, gerade weil er so überraschend war – und weil erstmals ein Weltrekord notwendig war, um Olympiasieger im Hochsprung zu werden.
Ganz große Gratulation von Schwerin-News an Gerd Wessig und weiterhin maximale Erfolge !

Wo verfolgte Schwerin eigentlich den Olympiasieg des Schweriners Gerd Wessig 1980…

Marko Michels

 


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