Skip to main content

Eher „Sportskanonen“ oder „sportliche Rohrkrepierer“?!

Wie sportlich ist Schwerin…

Alles neu macht eigentlich der Mai. Aber der Mai ist in diesem Jahr, 2017, bereits Ende April, was sich letztendlich auch an den vielen jubelnden „Schmetterlingen“ bemerkbar macht.

Zwischen meisterlichem Volleyball-Parkett…

Ganz meisterlich – und natürlich sportiv: Das SSC-Volleyball-Team 2017 – Blick in die Schweriner Arena. Foto: Michels

Keine neue Spezies, schon gar nicht in Schwerin, denn die Volley-Schmetterlinge des SSC sind ohnehin seit Jahrzehnten, sogar bereits als SC Traktor, eine Macht. Nun wurden sie neuer Deutscher Meister, nach vierjähriger Pause und zum elften Mal.

…und meisterlichem Box-Ring bzw. Fecht-Planche

Aber nicht nur auf dem Volleyball-Parkett sind die Schwerinerinnen und Schweriner sportiv sehr erfolgreich. Im Boxen trumpfen Artem Harutyunyan und Sarah Scheurich groß auf. Im Segeln erwischen Lena Haverland, Sophie Schöne, Line Thielemann bzw. Paul Bothe oft günstige Winde. Die Schweriner Rudergesellschaft mit dem Olympia-Zweiten Hannes Ocik und die Schweriner Fechtgesellschaft, die Gastgeber der Deutschen A-Jugend-Florett-Meisterschaft 2017 ist, haben über die Grenzen Schwerins einen ausgezeichneten Ruf.

Das gilt in ähnlicher Form für die Sportakrobatinnen des VfL Schwerin, die Sportgymnastinnen des TSV Schwerin, die Judoka mit Ramona und Carmen Brussig, die Rad-Asse um Stefan Nimke bzw. Kai Kristian Kruse, die Schwimm- sowie Ringer-Abteilung des PSV Schwerin, die Handballerinnen von Grün-Weiss oder die „Handball-Stiere“, die SSC-Leichtathletik-Abteilung mit den Scheutzow-Zwillingsschwestern, die Schweriner Kunstradfahrer und Kanuten oder die traditionsreiche Schweriner Schützenzunft.

Olympische Ringe für Schwerin

Von der ersten Olympia-Teilnahme eines Schweriners, 1932 in Los Angeles durch Alfred Meyer bei den olympischen Kunst-Wettbewerben, bis hin zur vorerst letzten olympischen Teilnahme von Schwerinern, 2016 in Rio durch Arajik Marutyunyan (Boxen), Artem Harutyunyan (ebenfalls Boxen), Hannes Ocik (Rudern) und Martina Strutz (Leichtathletik) liegen knapp 85 Jahre, die auch von Schwerinerinnen bzw. Schwerinern sportlich sehr geprägt wurden.

Dazu kommen einige Erfolge bei den Paralympics, ob durch die Brussig-Zwillingsschwestern, die Leichtathletin Vanessa Low, die Schwimmerin Denise Grahl oder den Schwimmer Torben Schmidtke oder das bereits erwähnte Rad-Duo Nimke/Kruse.

Olympische und paralympische Goldmedaillen für Schwerin gewannen bis dato 1976 in Montreal die Schwimmerin Andrea Pollack, der Ruderer Michael Wolfgramm bzw. der Boxsportler Jochen Bachfeld, 1980 in Moskau der Hochspringer Gerd Wessig, 1988 in Seoul der Diskuswerfer Jürgen Schult, 2004 in Athen der Bahn-Radsportler Stefan Nimke bzw. die Judoka Ramona Brussig, 2012 in London der Kanute Peter Kretschmer sowie die Judoka Ramona bzw. Carmen Brussig und 2016 in Rio de Janeiro die Weitspringerin Vanessa Low. Bei den Olympischen Jugendspielen 2014 in Nanjing holte der am Schweriner Box-Leistungszentrum trainerende Boxsportler Peter Kadiru zudem Gold.

Aber ist Schwerin anno 2017 – trotz Erfolgen im Frauen-Volleyball, Boxen, in der Leichtathletik oder Segeln – tatsächlich eine „Sportstadt“?!

Nachgefragt bei Luise Mai, Pressesprecherin des Stadtsportbundes Schwerin

Luise Mai über „Sportskanonen“ bzw. „sportliche Rohrkrepierer“, Schwer- und Leichtgewichte in der Landeshauptstadt, die sportiven Angebote in Schwerin, die sportliche Infrastruktur und das eigene „Aktiv sein“

„Wir sind eher `Sportskanonen`…“

Frage: Gerade wurden die SSC-Schmetterlinge deutsche Meisterinnen im Frauen-Volleyball und ganz Schwerin jubelt sportlich. Aber sind die Schwerinerinnen und Schweriner tatsächlich „Sportskanonen“ oder „sportliche Rohrkrepierer“… Was sagen die „echten Fakten“, also nicht die „alternativen Fakten“?!

Luise Mai: Die Frage ist, ab wann man eine „Sportskanone“ ist 😉 Generell würde ich sagen, dass man, so wie überall, natürlich nicht alle „über einen Kamm scheren kann“. Es gibt eben Schwerinerinnen und Schweriner, die sportlich sind und diejenigen, die es nicht sein wollen oder aus gesundheitlichen Gründen nicht sein können. Jedoch finde ich Ihre Aufzählung in der Einleitung schon sehr wegweisend dafür, dass wir eher „Sportskanonen“ sind als „sportliche Rohrkrepierer“, da unsere Stadt in den unterschiedlichsten Sportarten seit vielen Jahren sehr erfolgreich vertreten wird.

Frage: Geht man durch das Zentrum von Schwerin sieht man viele Menschen, die eher für Sportdisziplinen in den höheren bis höchsten Gewichtsklassen geeignet sind… Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe dafür? Das Internet, Kartoffel-Chips und der berühmte Mecklenburger Rippenbraten können dafür doch nicht allein die Gründe sein…

Luise Mai: Nein, das stimmt. Hinzu kommt die Bequemlichkeit, die uns heute immer leichter fällt und eventuell auch das mangelnde Bewusstsein, wie man etwas daran ändern kann. Allerdings ist das ja auch kein neues Problem und erst recht keines, das nur in Schwerin vorliegt. Die Gesellschaft verändert sich im Allgemeinen mit dem sie umgebenden Fortschritt der Technik, der Kulinarik und des gesellschaftlichen Drucks. Meiner Meinung nach sind nicht nur die „Schwergewichte“ Grund, um sich zu fragen, woher der Wandel kommt. In Zeiten von Fitness-Lifestyle, Superfoods und Skinny-Jeans sehe ich im Alltag auch viele „Fliegengewichte“, die sich besorgniserregend verhalten. Zum Thema „gesund leben“ gehört schon lange nicht mehr nur Sporttreiben bei Ãœbergewicht…

Frage: Wie ist es aber um die realen Angebote des Stadtsportbundes Schwerin bestellt? Gibt es auch 2017 Angebote des SSB an all jene, die gern Sport treiben würden, aber a) sich bislang nicht trauten, b) nicht wissen, dass Sport eigentlich gesund ist und c) bis dato zu faul zum Sport treiben waren?

Luise Mai: Auch in diesem Jahr führt der Stadtsportbund Schwerin e.V. über 100 Sportvereine, die für alle Interessenten Mitgliedschaften anbieten. Das Angebot ist dabei sehr abwechslungsreich und ich denke, dass für jeden etwas dabei ist! Wenn man nicht sicher ist, ob die gewählte Sportart wirklich die richtige ist, dann kann man in vielen Vereinen von einem Schnupper-Training profitieren. Einfach mal ausprobieren 🙂

Frage: In einer Beamten-Stadt wie Schwerin ist Bewegung sowieso nicht „Agenda“… Wie beurteilen Sie dennoch die sportliche Infrastruktur (Sportplätze/Spielplätze) in Schwerin?

Luise Mai: Das würde ich gar nicht mal so sagen. Viele nutzen den Feierabend, um sich im Verein oder in der Natur auszupowern, gerade weil sie auf Arbeit viel auf dem Stuhl und vor dem PC sitzen. Schwerins sportliche Infrastruktur finde ich persönlich sehr gut. In den verschiedenen Stadtteilen haben wir Sportplätze, die genutzt werden können und jeder Sportverein hat seine  festgelegten Hallenzeiten, in denen die Mitglieder sportlich aktiv sein können. Ein großer Vorteil, den ich sehr liebe, sind unsere Seen, die sich hervorragend dazu eignen, an ihnen entlang zu joggen, zu walken oder zu skaten.

Letzte Frage: Und wie sieht es bei Ihnen selbst aus… Sie sind ja aktive Badminton-Spielerin. Sind Sie da noch „in der Spur“?

Luise Mai – Foto: Dietmar Albrecht

Luise Mai: Eher auf dem Feld 😉 Aber ja, ich bin seit 19 Jahren voll dabei und trainiere dreimal die Woche in der Halle. Wenn es mir nicht reicht, nutze ich gern den Faulen See oder den Franzosenweg, um zu joggen oder mit meinen Inlinern zu fahren. Meinen Arbeitsweg kann ich täglich mit dem Fahrrad zurücklegen, was mir sehr gut tut. Auch ich sitze den ganzen Tag vor dem PC und genieße die Bewegung, die ich auf dem Feld kriege!

Vielen Dank, dann weiterhin einen sportiven Alltag – auch für die „restlichen“ Schwerinerinnen und Schweriner!

Marko Michels

 

Info: Luise Mai ist Pressewartin des Stadtsportbundes Schwerin, Mitarbeiterin für Kommunikation & Marketing der Internet- sowie Werbeagentur „büro v.i.p.“ und eine erfolgreiche Spielerin beim Badminton Sport Club 95 Schwerin.

Weitere Infos zum Schweriner Sport unter: „stadtsportbund-schwerin.de“.

 

 


Ähnliche Beiträge