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Zwischen Mauerfall und Einheitsfest zum 30.

Es darf gefeiert werden

Seit fast 30 Jahren wieder Landeshauptstadt – Schwerin. Foto: M.M.

Kaum wird 30 Jahre Mauerfall mehr oder minder kräftig gefeiert, steht im nächsten Jahr das nächste Staatsjubiläum an. 30 Jahre deutsche Einheit. Diejenigen, die es schafften – bis in den öffentlichen Dienst, zu einem kommunalen Unternehmen oder  einem großen Konzern – werden jubeln. Sie sind die „Erwählten der sich selbst Auserwählten“, sind an den (Fr)Esstöpfen der Macht und des Geldes, lassen es sich gut gehen – bei konzertierter Begleitung durch die Massen-Medien. Der „Rest“, also die verbleibenden zwei Drittel, laufen dagegen im gesamtdeutschen Hamsterrad. Mehr (Über-)leben als Leben.

Jubel, Trubel, Heiterkeit

So werden neben schwarz-rot-goldenen Wink-Elementen auch große politische Reden geschwungen, deren Aussagekraft – wie gewohnt – gegen Null tendieren wird. Was war – nach einem ehemals großen deutschen Nachrichten-Magazin – noch die Ursache für den Untergang der DDR?! Ach ja, neben dem Unterangebot von Südfrüchten ein Überangebot von Schnitzler-Kommentaren… Dann dürfte wohl der Grund für die nächste Wende ein Unterangebot von guten Arbeitsplätzen und ein Überangebot von seichten Blättern, Wassertomaten oder sonstigen Fressalien aus dem Reagenzglas, die ständig aus dem Handel zurückgerufen werden müssen, sein…

Für die Zukunft – vorne weg

Zerfielen früher die Innenstädte bzw. Kirchen, so zerfallen heute die Menschen bzw. die Außenbezirke der Städte sowie kleinere Dörfer. Reiste man früher nach Polen, die CSSR, Bulgarien, Rumänien oder zum „Großen Bruder“, in die SU, so geht es heute in die Urlauber-Silos der Dominikanischen Republik, nach Südeuropa oder zum anderen „Großen Bruder“, also zu „Uncle Sam“. Am besten noch mit den schlimmsten Umweltverschmutzern, den Kreuzfahrtschiffen.

Dafür wird dann bei „Fridays for Future“ das „gute deutsche Klima-Gewissen“ beruhigt. Wie Deutschland ja ohnehin Vorbild für die Welt ist. Politische Wende-Manöver, Energie-Wende, Sport-Wende, Migrations-Wende, Klima-Wende, Diesel-Wende – alles „Made in Germany“. Bei so viel Wendigkeit gibt es natürlich auch viele „Wendehälse“.

Warum gibt es daher nicht – wie von einem früheren Wismarer Trainer und Freidenker vor Jahren schon gefordert – den „goldenen Wendehals“?! Für die beste Pirouette um 180 Grad. Genügend SEDisten, Stasis, Blockflöten und DDR-Mitläufer schafften es in „Deutschland einig Vaterland“, was längst „Deutschland einig Mutti-Land“ ist, „nach ganz oben“. Also dort, wo die Luft dünne ist und die Sitzflächen breit werden.

Breit-Seiten für die Demokratie

Auch dank des Einsatzes der Blumenfrau und Schweriner Ehrenbürgerin Bertha Klingberg (1898-2005 / Denkmal unweit des Schlossgartens), die 17000 Unterschriften für eine Landeshauptstadt Schwerin sammelte, wurde die Stadt des Märchenschlosses tatsächlich „capital“ von „MeckPomm“. Foto: M.M.

Apropos „breit“. Vor fast 30 Jahren gab es in Schwerin, dem charmanten Landeshauptdorf mit dem Märchen-Schloss, ein ebenso märchenhaftes, breites Grinsen. Am 27.Oktober 1990 wurde das mehr als 1000 Jahre alte Schwerin wieder Landeshauptstadt der Mecklenburger und sogar der Vorpommern. Die „Ochsen“ ließen „die Fischköppe“ aus Rostock hinter sich. Im Landtag von M-V stimmten seinerzeit 40 Abgeordnete für Schwerin, 25 für Rostock, bei einer Stimmenthaltung. Seitdem steppt in Schwerin nicht unbedingt der Bär oder das Petermännchen, aber die Beamten. Doch Begeisterung beim Beamten-Mikado kommt bekanntlich selten auf.

Aber nun wird erst einmal dauerhaft gefeiert. Zwischen Altstadtfest, Martensmarkt, Mauerfall, Weihnachtsmarkt, Silvester/Neujahr, über Ostern, Pfingsten bis hin zum Einheitsfest zum „30.“…

M.Michels


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