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Schwerin auf dem Schlußdrittel

Zwischen „Klärchen“ und „Väterchen Frost“

Das Schweriner Schloss… Foto: M.M.

Der Sommer ist im Endspurt. Klärchen zieht sich immer mehr zurück. Draußen warten schon „Gevatter Herbst“, der dann in etwas mehr als drei Monaten den Staffelstab an „Väterchen Frost“ weiter geben wird.

So ganz glauben mag man das Ganze nicht, denn Petrus mixte 2018 ein Wetter zusammen, dass der gemeine Bürger glaubte, im falschen Wetterfilm zu sein. Entweder Petrus ist durchgedreht oder trank zu lange genußvoll aus der Flasche mit dem „Feuerwasser“?

Zu Ostern schneite es, im Mai begann ein Sommer, der nicht enden wollte, waren draußen aber wichtige Open Air-Veranstaltungen, öffnete Petrus kurzzeitig die Schleusen. Wenn das so weiter geht, wird man den Heiligen Abend in Deutschland in der Hängematte bei 30 Grad im Schatten verbringen dürfen.

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Rund 120 Tage ist es noch bis zum Jahresfinale und es kann noch viel passieren.

Politisch nichts „Weltbewegendes“

Lasst Blumen sprechen – auch jene aus dem Schweriner Schlossgarten. Foto: M.M.

Politisch betrachtet ist weder in Berlin noch in Schwerin „Weltbewegendes“ passiert. Die Welt „geht den Bach runter“. Was soll`s! Die SPD hatte „temperaturmäßig“ auch im Sommer herbstliche Werte, so um die 17 Grad.

Die echten Probleme wurden bzw. werden weiterhin tatkräftig ignoriert bzw. relativiert, die Damen und Herren Politiker loben sich „über den Klee“ oder lassen dieses durch ihre medialen Büchsenspanner vollbringen. In der Absonderung von schön klingenden Sprechblasen sind unsere Politikerinnen und Politiker ohnehin – im Gegensatz zu unseren Fußballern, die bereits in der Vorrunde scheiterten – weltmeisterlich.

Digitalisierung? Was soll das sein!

Altersarmut? Betrifft doch nur die Anderen – und nicht uns, die Beamten!

Prekäre Arbeitsverhältnisse? Ist doch schön, wenn man „arbeitstechnisch“ Abwechslung hat!

Steigende Gebühren, Steuern bzw. Abgaben und dadurch wenig Geld im Portemonnaie? Ach, Geld ist doch nicht wichtig und kann den Charakter verderben!

Bildungskrise? Besser die Mehrheit begreift nicht, was vor sich geht. Bringt doch nur Unruhe mit sich!

Pflegenotstand? Ach hört doch auf… Niemand kann und darf ewig leben!

Langsames Internet? Was sollen die ollen youtube-Videos. Und außerdem: Im Netz gibt es ja doch nur Fake News oder die ungeschönte Wahrheit!

… Nein, es ist schon so, wie unsere politischen Powerfrauen immer sagen: Wir schaffen das! Möge der Wind auch von vorn blasen, wir haben Drei-Wetter-Taft!

Ungeschminkte Wahrheiten

Tja, überhaupt unsere Politikerinnen in Berlin und in Schwerin. Es ist schon erstaunlich, wie geschminkt diese die „ungeschminkten Wahrheiten“ in ihren Sommer-Interviews über das Land verbreiten. Dazu lächeln sie dann noch von photogeshoppten Plakat-Porträts und der neutrale Beobachter meint, also die sieht ja so ähnlich aus, wie…

Nein, die ist es tatsächlich, halt nur entsprechend „computergestützt“ etwas optimaler gemacht. Denn es gilt: Wer eine politische Gestalt sein will, sollte besser als Lichtgestalt daher kommen.

Was aber Gefahren mit sich bringt, wenn nämlich der „politische Elchtest“ gemacht wird. Wie meinte schon der Publizist Willy Meurer: „Licht ist schneller als der Schall. Darum wirken manche Menschen intelligent, bis sie anfangen zu sprechen.“.

Tja, die große Politik – ein Thema für sich.

Jede Menge los in Schwerin

„Drachen“ auf dem Pfaffenteich. Foto: M.M.

Ansonsten war in Schwerin ja auch jenseits aller politischen Diskussionen eine Menge los. Die Schlossfestspiele konnten nicht so richtig begeistern. Jedenfalls kamen weniger Zuschauer als erhofft, aber immer noch mehr als befürchtet. Auf dem Pfaffenteich waren zum 27.Mal wieder „die Drachen“ los. Tja, das Drachenbootfestival ist immer noch ein Publikumsmagnet. Zumindest für die Touris, die sich stetig beschweren, dass sie keine freie Foto-Sicht auf das Gebäude-Ensemble um den Alten Garten haben, also auf Theater, Museum und natürlich das Schloss.

Leider verdeckte die Bühne der Schlossfestspiele auch den ungetrübten Schloss-Blick. Aber was soll man da machen? Entweder die Schloßfestspiele versetzen – oder das Schloss?  Auf jeden Fall sind mit Blickrichtung „Erfolgreiche Bewerbung um den Status als Weltkulturerbe-Stätte“ Änderungen notwendig.

Und Änderungen, gar Veränderungen, sind ja nicht unbedingt eine Sache der Mecklenburger und Vorpommern. Schon gar nicht für die Schwerinerinnen und Schweriner, die die ersten zwölf Nachwende-Jahre – nicht zuletzt dank einer damaligen suboptimalen „Stadtspitze“ – glatt verschliefen.

Es wird gefeiert und gelöhnt

Der Gourmet-Garten war wirklich lecker! Foto: M.M.

Was war, was ist sonst noch so im sommerlichen, tausendjährigen Schwerin? Roland Kaiser war da. Beim Gourmet-Garten gab es leckere Speisen und Getränke (natürlich zu entsprechenden Preisen) – wie ebenfalls bei der Schloßgarten-Nacht. Die Festspiele M-V ließen auch in Schwerin konzertieren. Straßen-Baustellen nervten Einheimische wie Gäste. Freilaufende Hunde und „frei fahrende“ Radler dito. Auch in Schwerin werden die Bürger immer mehr zur Kasse gebeten (Siehe Anlieger in Schwerin-Görries!).

Wo es ein „Immer mehr“ gibt, gibt es auch ein „Immer weniger“. Die Anzahl der Mücken ging rapide zurück, was eher einen schmerzfreien Verlust bedeutet. Viel schlimmer ist es jedoch, dass uns immer weniger Bienen beglücken. Es gilt ja sowieso nicht mehr: „Sei fleißig wie ein Bienchen…“ Nein, es gilt: „Hauptsache Vitamin B“!

Tja, Schwerin ist auf dem Schlußdrittel des Jahres 2018 und gefeiert wird in Schwerin in den kommenden Wochen ebenfalls, unter anderem 22 Jahre soziokulturelles Zentrum SPEICHER. Das Altstadtfest findet – nach großem Hin und Her – doch statt. Nach dem Hafenfest folgt das Oktoberfest im bzw. am Stadthafen Schwerin. Der Martinsmann ist ebenfalls schon in der Lauer-Position. Und Ende November öffnet der Schweriner Weihnachtsmarkt wieder seine Pforten – entweder bei Dauer-Regen oder den erwähnten Temperaturen über 30 Grad… Caipi statt Glühwein!

Bislang eher ein ambivalentes Jahr

Viel Theater, ob im richtigen Theater oder im politischen Theater, also im Schloss, gibt es auch in der Spielzeit 2018/19. Foto: M.M.

Das Jahr 2018 war für Schwerin jedoch bislang ein eher ambivalentes. Es gab erfreuliche Neu-Ansiedlungen von Firmen und Start-ups, aber auch in Schwerin wird die Spaltung der Gesellschaft immer offensichtlicher. Wehe, man kommt nicht aus dem „richtigen Stadteil“, eventuell sogar nur „vom Dreesch“, wehe, man kennt nicht „einflußreiche Personen“ und wehe, man hat sogar noch eine eigene Meinung und läßt sich diese von den immer mehr gleich klingenden Medien „vorschreiben“…

Dann könnte es bitter werden. Aber bittere Schokolade ist ja gesünder und schützt vor „Adipositas“! In geistiger wie charakterlicher Hinsicht.

Marko Michels

 

 


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