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Geht es „uns“, auch in Schwerin, gut?!

Richtige Fakten statt alternativer Fakten…

In Schwerin gibt es auch „eine Welt hinter dem frisch gewienerten Schloss“… M.M.

Es ist schon erstaunlich. Liest man in den regionalen und überregionalen Zeitungen, die angeblich „Leuchttürme“ des Qualitätsjournalismus sein sollen, umfangreiche personelle, finanzielle bzw. materielle Ressourcen  besitzen und zudem über beste Netzwerke in politischen bzw. wirtschaftlichen Bereichen verfügen, so ist der interessierte Leser angesichts der vielen Stereotype, die dort präsentiert werden, erstaunt.

Ähnlich ist es bei vielen (nicht allen!) Beiträgen im privaten sowie öffentlich-rechtlichen Fernsehen, auf das sogar „Gebühren“ erhoben werden. Grundtenor „Uns in Deutschland geht es doch gut!“.

Wer ist „uns“?!

Nun ist die große Frage, wer bzw. was umfasst eigentlich dieses „Uns“?! Der Autor verfolgte in den letzten Monaten einmal etwas intensiver die „gängigen“ Medien im Nordosten zwischen Schwerin via Rostock bis Neubrandenburg, und sogar bis Berlin bzw. München, ob in gedruckter Form, als Hörfunk- oder TV-Formate.

Es ist erstaunlich: Legt man die Maßstäbe der qualitativen bzw. quantitativen Inhaltsanalyse (Journalismus erstes Semester) an, so ergeben sich doch zahlreiche Einseitigkeiten, wenn es um die soziale Lage in Deutschland, speziell in M-V, noch spezieller in Schwerin, geht. Die Grundtendenz ist eindeutig, dass „Uns geht es insgesamt doch gut“ wird in mehr als zwei Dritteln der Beiträge „bestätigt“, wenngleich auf wenige Ausnahmen hingewiesen wird. Diese „Ausnahmen“ werden jedoch so behandelt, als seien unter den „Sozialfällen“ ja meist Unqualifizierte, Kranke und Alleinerziehende, die auch nicht gerade den hellsten Eindruck machen.

Differenzierter betrachten

Dass es ganz andere Beispiele gibt, zum Beispiel berufliche Rehabilitanden, deren Gesundheit zum Beispiel durch Ärzte-Pfusch zerstört wurde, Arbeitnehmer über 50, deren Formen durch Managementfehler bankrott gingen und die als vermeintlich „Alte“ (mit etwas mehr als 50 Lenze!) auf dem Arbeitsmarkt keine Chance mehr erhielten, oder Personen, deren Lebensweg durch politische Verfolgung zum Beispiel in der DDR nachhaltig zerstört wurde, interessiert dabei kaum (auch wenn diese hoch qualifiziert sind).

Natürlich gibt es auch Beiträge, die das Thema „Armut in Deutschland“ durchaus differenziert behandeln, aber das ist eine Minderheit. Was zudem schade ist, gerade diese wenigen Beiträge sind bei Funk und Fernsehen oftmals zu unvorteilhaften Sendeplätzen bzw. Sendezeiten zu hören bzw. zu sehen. Die Reichweite bleibt damit begrenzt.

Armut – ein Riesenproblem in Deutschland und damit auch in Schwerin

Armut ist aber ein Riesenproblem in Deutschland. Der Mindestlohn von 8.84 Euro ist ein politischer Treppenwitz, denn selbst mit 50 Beitragsjahren (Vollzeitjob mit diesem besagten Lohn) gibt es nur eine erbärmliche Rente, muß diese beim Jobcenter aufgestockt werden.

Der fünfte Armuts- und Reichtumsbericht der schwarz-roten Bundesregierung von 2017, den diese mehr als widerwillig präsentierte, offenbart: Deutschland geht es sozial alles andere als gut. So leben rund 16 Prozent der Bevölkerung in Armut oder an der Armutsgrenze. Das umfasst 13 Millionen Menschen im angeblich so reichen Deutschland – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu 2002. Zusatz-Info: Seit 2005 wurde die „Agenda 2010“ der rot-grünen Bundesregierung durchgesetzt und seitdem von allen weiteren Bundesregierungen fortgeschrieben.

Das Märchen vom Jobwunder

Ein Jobwunder gab es dabei nie. Lediglich die Anzahl der prekären Arbeitsverhältnisse nahm zu, der Niedriglohnsektor vergrößerte sich, die Statistiken zum Arbeitsmarkt wurden „frisiert“, in dem unter anderem die Bezieher von SGB II-Leistungen heraus gerechnet wurden, und Arbeitsverhältnisse, die noch in der Ära Kohl als sittenwidrig galten, sind inzwischen „ganz normale“ Arbeitsverhältnisse. Mit politischen und medialen Taschenspieler-Tricks kann man nicht nur alternative Fakten schaffen, sondern auch alternative Realitäten.

Armut – dokumentiert

Kürzlich berichtete die FAZ vor dem Hintergrund der zunehmenden Armut in Deutschland, dass fast jeder dritte Deutsche durch ungeplante Ausgaben in eklatante Bedrängnis komme. So konnten sich 2019 – nach Angaben und Informationen des Statistischen Bundesamtes – fast ein Drittel der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland im Alter ab 16 Jahren ff. (fast 22 Millionen) keine plötzlichen Ausgaben leisten, die höher als 985 Euro waren. Oft ist es aber so, dass gerade bei Umzügen infolge einer Ausbildung, Qualifizierung oder neuen Arbeitsstelle schnell hohe Kosten anfallen. Viele Vermieter erwarten Kautionen von drei Monatsmieten. Des Weiteren steigen die Mieten trotz der staatlichen „Mietbremse“ ungebremst, insbesondere in mittleren und großen Städten, in denen es – im Gegensatz zu vielen strukturschwachen Regionen auf dem Land – noch Arbeitsperspektiven gibt.

Für die Ausbildung sind oftmals ebenfalls teure Aufwendungen nötig, so für  PC oder Laptops. Wehe, man wird Opfer eines Unfalles, auch da fallen unerwartete Kosten an, die privat zu begleichen sind, weil Versicherungen nicht zahlen wollen oder können.

Hungern, um zu überleben

Fast 5 Millionen Bürgerinnen und Bürger in Deutschland müssen aufgrund ihrer prekären Situation bei den Nahrungsmitteln extrem sparen. Betroffen sind dabei vor allem die Kinder. Jede/jeder braucht auch einmal ein anderes Umfeld, eine Zeit zum Ausspannen – jenseits seiner gewohnten Wohn- und Arbeitsregion, vor allem, wenn es sich um bescheiden entlohnte Arbeitsverhältnisse handelt und diejenige/derjenige in einem sozialen Brennpunkt wohnt. Aber die meisten haben keine finanziellen Mittel, um sich diesen bescheidenen „Luxus“ zu leisten. Fast 13 Millionen Bürgerinnen bzw. Bürger in Deutschland können sich keinen einwöchigen Urlaub außerhalb ihres Wohnortes leisten!

Hartz IV – die Armutsfalle

Und auf die erbärmlichen SGB II-Leistungen waren in den letzten zehn Jahren zwischen 18 und 19 Millionen Bürgerinnen und Bürger in Deutschland angewiesen. Auch hier sind die Kinder insbesondere die Leidtragen: Mehr als 21 Prozent von ihnen müssen dauerhaft bzw. wiederkehrend in Armut leben, wie die Bertelsmann-Stiftung 2017 informierte.

Tiefer Riss durch die Gesellschaft

Inzwischen gehen angesichts der zunehmenden Spaltung der Gesellschaft in viele Arme, in viele gegen den sozialen Abstieg kämpfenden „Mittelstandsbürger“ und in wenige Super-Reiche ein tiefer Riss durch Deutschland, auch durch Schwerin.

Die Zuwanderung ist dabei gar nicht entscheidend. Migranten hin oder her. Der nicht kontrollierte Zuzug ist zwar problematisch, aber nicht das Hauptproblem. Das Hauptproblem sind Politikerinnen und Politiker von SPD und CDU, die Etikettenschwindel betreiben, den Bürgerinnen und Bürgern – auch mit Hilfe ihrer medialen Büchsenspanner – Realitäten vorgaukeln, die so nicht existent sind. Ohne den schwachen Euro wäre die exportorientierte deutsche Wirtschaft ebenfalls längst in einer erheblichen Schieflage.

Ghettoisierung der Städte

Was auch in Schwerin augenscheinlich wird, sind die vielen Problemviertel, die seit Ende der 1990er Jahre, seit der „Agenda-Kanzler“ und ab 2005 die „Rauten-Kanzlerin“ die Regierungsgeschäfte übernahmen.  In Mueßer Holz, in Teilen des Großen Dreeschs und in Lankow entstanden „Ghettos“, in denen Arme unter sich bleiben, während es Stadtregionen gibt, Schloßgartenallee, am Schweriner See oder im Innenstadtbereich, in denen die Neu-Reichen fröhliche Urständ feiern. Ein gesellschaftlicher Austausch findet kaum mehr statt, was auch Schwerin noch ärmer machen wird – wie andere Städte in ganz Deutschland.

Die Argumente der anderen Seite

Nun werden einige (Beamte, Angestellte im öffentlichen Dienst, Mittelständler, die schon vor der Wende über entsprechende Netzwerke verfügten) entgegnen – ganz nach Engels „Jeder ist seines Glückes Schmied!“. Ja: Nur muß jede/jeder auch nur den Hauch einer Chance erhalten, selbst Schmiedin oder Schmied werden zu können und ihr bzw. ihm nicht frühzeitig Hammer und Ambos arglistig entwendet werden. Wer heute noch allen Ernstes behauptet, die heutigen Reichen, ob in der Wirtschaft, in der Politik, im Sport, im Film- oder Kunstgeschäft, seien dank ihres Fleißes und ihrer „Talente“ so „solvent“, muß in der Tat naiv sein oder unter chronischem Realitätsverlust leiden.

Endstation Nirwana

Deutschland, M-V und Schwerin geht es nicht gut. Der politische, wirtschaftliche und mediale Mainstream wird dagegen halten. Aber auch dieser wird am Ende von der Realität eingeholt werden. Wie sagte Gorbi Anfang Oktober 1989 „unserem Erich“: „Gefahren warten nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren!“.

In Deutschland 2018 hat man oftmals den Eindruck von politisch-medialen Zombies umgeben zu sein. Das läßt für die Zukunft nichts Gutes erahnen.

Marko Michels

 

 

 


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